Offene Orte für mehr Gemeinsamkeit: Netzwerktreffen zum Ehrentag 2026
Wie gestalten wir Engagement so, dass möglichst viele Menschen Zugang finden, mitwirken und ihre Perspektiven einbringen können? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Netzwerktreffens „Offene Orte für mehr Gemeinsamkeit“, zu dem bagfa, Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros, Bündnis der Bürgerstiftungen Deutschlands und nebenan.de Stiftung am 18. Mai 2026 ins Kiezlab Berlin eingeladen hatten. Rund dreißig Teilnehmende aus engagementfördernden Organisationen nutzten den Ehrentag 2026, um gemeinsam auf die eigene Praxis zu blicken und sichtbare wie unsichtbare Schwellen im Engagement zu diskutieren.
Den Auftakt machte Prof. Dr. Chantal Munsch von der Universität Siegen, Vorsitzende der Kommission des Vierten Engagementberichts. In ihrem Impuls dachte sie die Arbeit am Bericht weiter und widmete sich den offenen Fragen, die sich daraus für die Engagementförderung ergeben: Wie ist freiwilliges Engagement mit sozialer Ungleichheit verwoben? Welche Vorstellungen von Kompetenz, Passung oder Effizienz prägen die Wahrnehmung von Engagierten – und reproduzieren so ungewollt Ungleichheit? Und wie führt die ideelle Überhöhung von Engagement dazu, dass es so schwer fällt auch diese Ausschlüsse und Ungleichheiten zu kritisieren? Deutlich wurde: Engagement ist ein wichtiger und machtvoller Ort demokratischer Mitgestaltung – aber sicher kein Raum außerhalb gesellschaftlicher Ungleichheiten.
Im anschließenden World Café diskutierten die Teilnehmenden an Thesentischen, wie offene und zugängliche Engagementorte praktisch entstehen können. Dabei ging es um einen notwendigen Bewusstseinswandel in etablierten Organisationen, um eine ehrliche Auseinandersetzung mit reproduzierten Ausschlüssen und um Kooperationen zwischen neuen und etablierten Akteur:innen. Eine zentrale Frage lautete: Wie können Organisationen nicht nur Zugänge zu bestimmten Zielgruppen suchen, sondern wirklich von den Erfahrungen sogenannter „Schwellenexpert:innen“ lernen?
Zum Abschluss setzte der Inklusionsaktivist Raúl Krauthausen einen eindrücklichen Impuls zur Frage, wie Engagement inklusiver werden und neben Teilhabe auch Teilgabe fördern kann. Er plädierte dafür, Inklusion als die „Annahme und Bewältigung der Realität von menschlicher Vielfalt“ zu verstehen. Daraus resultiere der Auftrag reale Barrieren abzubauen, Begegnung zu ermöglichen und stärker zuzuhören. Statt immer nur zu senden, brauche es häufiger die offene Frage: „Was brauchst du?“ Zugleich machte er deutlich, dass engagementfördernde Organisationen über wichtige Ressourcen verfügen – Netzwerke, Presseverteiler, Wissen und Kontakte –, die stärker geteilt und gemeinsam genutzt werden könnten.
Das Netzwerktreffen zeigte: Offene Orte entstehen nicht von selbst. Sie müssen bewusst gestaltet, selbstkritisch reflektiert und gemeinsam weiterentwickelt werden. Der Ehrentag wurde damit nicht nur zum Anlass, Engagement zu würdigen, sondern vor allem zum Ausgangspunkt für die Frage, wie Engagementförderung dazu beitragen kann, mehr Teilhabe, Selbstwirksamkeit und Gerechtigkeit zu ermöglichen.
Moderation: Caroline Kuhl, Protokoll: bagfa
Foto: v.l.n.r. Chantal Munsch, Katharina Roth, Ulrike Reichert, Tobias Kemnitzer, Raúl Krauthausen, Caroline Kuhl
